Nach dem KI-Support
Warum HR den Sprung zur Entscheidungsintelligenz brauchen wird
KI hat längst Einzug in die Personalabteilungen gehalten. Sie beschleunigt Screenings, automatisiert Routineaufgaben, generiert Interviewleitfäden. Alles messbar, alles nützlich. Aber reicht das?
In meinem aktuellen Beitrag für den Human Resources Manager (Ausgabe 2/2026) gehe ich einer Frage nach, die unbequem ist, aber gestellt werden muss: Was bleibt von HR, wenn alles Automatisierbare automatisiert ist? Die Kurzfassung lest ihr hier – die vollständige Analyse findet ihr im Heft.
Die Support-Falle
Administration, Gehaltsabrechnung, Zeiterfassung, Zeugniserstellung, Bewerbungsscreening, Reporting, Onboarding – all das lässt sich heute weitgehend automatisieren. Und ja, KI macht das schneller und besser als jede Sachbearbeitung es je konnte.
Aber genau hier liegt die Falle: Wer KI nur als Support-Tool für bestehende Prozesse einsetzt, optimiert Strukturen, die möglicherweise selbst das Problem sind. Prozessoptimierung ist die sicherste Methode, eine Struktur zu erhalten, die vielleicht längst überholt ist.
Was Unternehmen wirklich brauchen
Was Organisationen heute am dringendsten fehlt, ist nicht schnellere Administration. Es ist die Fähigkeit, fundierte Personalentscheidungen zu treffen – entlang des gesamten Employee Lifecycle.
Die Faktenlage ist ernüchternd: Ein Großteil der Arbeitgeber hat bereits Fehlbesetzungen erlebt. Interviewer bilden sich häufig innerhalb weniger Minuten ein Urteil. Unbewusste Verzerrungen beeinflussen Einstellungsentscheidungen erheblich. In der Personalentwicklung fehlen datenbasierte Grundlagen. Bei der Mitarbeiterbindung agiert HR meist reaktiv statt prädiktiv.
Das strukturelle Paradox: HR hat das Wissen – aber die Entscheidungen treffen andere. Hiring Manager und Führungskräfte, die fachlich exzellent sind, aber selten gelernt haben, wie diagnostische Informationen zu interpretieren sind oder wie kognitive Verzerrungen wirken. KI als Support-Tool für HR ändert an diesem Paradox nichts.
Decision Intelligence: Expertise dorthin bringen, wo entschieden wird
Hier muss KI über sich selbst hinauswachsen. Weg von der Zuarbeit, hin zur Entscheidungsintelligenz: Die systematische Gestaltung von Entscheidungsprozessen, die Datenanalyse, Verhaltensforschung und kontextbezogene Aufbereitung zusammenführen.
Ein Beispiel: Statt einer Führungskraft abstrakte Persönlichkeitswerte zu liefern, generiert ein Decision-Intelligence-System kontextbezogene Empfehlungen – abgestimmt auf die aktuelle Teamdynamik und die spezifischen Anforderungen der Position. Dazu individualisierte Interviewfragen auf Basis diagnostischer Befunde. Die Führungskraft erhält keine Diagnose. Sie erhält eine Handlungsempfehlung, die ihr Gespräch besser macht.
Dieselbe Logik greift bei Personalentwicklung, Retention und Workforce Planning: KI liefert keine Berichte – sie generiert konkrete Gesprächsimpulse, erkennt Frühwarnsignale und modelliert Szenarien. Direkt am Punkt der Entscheidung.
Was den Wandel blockiert: FOBO und FOBW
Neben institutionellen Hürden – etwa der Gestaltung von Betriebsvereinbarungen, die gerade 2026 mit den anstehenden Betriebsratswahlen hochrelevant sind – blockieren zwei psychologische Barrieren den Übergang.
FOBO – Fear of Becoming Obsolete. Die Angst in HR-Abteilungen, durch Automatisierung überflüssig zu werden. Solange HR in der Support-Rolle verharrt, ist diese Angst rational. Ein Support, der sich automatisieren lässt, wird automatisiert.
FOBW – Fear of Being Wrong. Die Furcht von Entscheidern, mit undurchsichtiger Technologie schwer revidierbare Entscheidungen zu verantworten. Die Forschung zeigt: Nutzungsbereitschaft hängt weniger von der Genauigkeit des Modells ab als vom Design des Entscheidungsprozesses. Systeme, die dem Nutzer das letzte Wort lassen, transparent begründen und Korrekturen ermöglichen, senken die FOBW substanziell. Entscheidungsarchitektur schlägt Modellgenauigkeit.
Was von HR bleibt – und warum es mehr ist
Wenn Administration, Screening und Reporting automatisiert sind, bleibt das, was Maschinen nicht können: Entscheidungsarchitekturen gestalten. Diagnostik in Handlung übersetzen. Die Brücke bauen zwischen Technologie und Mitbestimmung. Kultur lesen, Dynamiken verstehen und Systeme schaffen, in denen menschliche und künstliche Intelligenz sich verstärken.
KI wird HR nicht ersetzen. Aber sie wird die HR ersetzen, die sich mit der Support-Rolle zufriedengibt. Die Funktion ist unverzichtbar. Die Form muss sich verändern. Und wer darauf wartet, dass die Technologie auf HR zukommt, hat den Zeitpunkt, sie zu gestalten, bereits verpasst.
Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel „Nach dem KI-Support“ von Prof. Dr. Florian Feltes, erschienen in der Ausgabe 2/2026 des Human Resources Manager Human Resources Manager (Schwerpunkt „Support“). Den vollständigen Beitrag findet ihr im Heft.
Prof. Dr. Florian Feltes
Prof. Dr. Florian Feltes ist Mitgründer und Co-CEO von zortify und Vorreiter der KI-gestützten HR-Innovation. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt er intelligente Persönlichkeitsdiagnostik und hilft Unternehmen so, die perfekten Kandidat:innen zu identifizieren – ohne teure Assessments, ohne Bias. Seine Vision: Eine Welt, in der jedes Unternehmen mühelos High-Performance-Teams formt und Arbeitsumgebungen schafft, die menschliches Potenzial vollständig entfalten.
Die Einstellung, die nicht blieb – Eine Perspektive aus dem Recruiting
Die Benachrichtigung kommt an einem Dienstagmorgen. Die einstellende Führungskraft möchte sprechen. Den Grund ahnt man bereits im Vorfeld. Die Kandidat:in, die vor vier Monaten eingestellt wurde, hat gekündigt.
Um zu verstehen, warum frühe Fluktuation Recruiter:innen anders trifft, ist es wichtig, die Bedingungen zu berücksichtigen, mit denen sie bereits konfrontiert sind.
Wenn jemand zu früh geht – Die Perspektive der Hiring Manager:innen
Sie erinnern sich an den Moment, in dem Sie Ja gesagt haben. Die Kandidatin war überzeugend. Das Interview lief gut. Das Team war begeistert. Sie hatten ein gutes Gefühl – vielleicht sogar echte Vorfreude. Und dann, sechs Monate später, die Kündigung. Das fühlt sich nicht wie ein geschäftliches Problem an. Das fühlt sich persönlich an.
Budget-Killer Fehlbesetzungen
Rund 14 % aller Neueinstellungen scheitern. Bei 50 Einstellungen pro Jahr können daraus schnell über 300.000 Euro direkte Kosten entstehen. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Der eigentliche Schaden zeigt sich später: sinkende Teamleistung, verlorene Innovationskraft und ein Dominoeffekt, der Leistungsträger:innen zur Konkurrenz treibt.
Die Einstellung, die nicht blieb
– Eine Perspektive aus dem Recruiting
Die Benachrichtigung kommt an einem Dienstagmorgen. Die einstellende Führungskraft möchte sprechen. Den Grund ahnt man bereits im Vorfeld. Die Kandidat:in, die vor vier Monaten eingestellt wurde, hat gekündigt.
Man lässt den Prozess noch einmal Revue passieren: Suche, Vorauswahl, Interviews, Angebot. Alles verlief reibungslos. Die Kandidat:in war qualifiziert. Sie war enthusiastisch. Das Matching schien stimmig. Jetzt steht man wieder am Anfang – und es fühlt sich nicht wie ein Neuanfang an. Es fühlt sich wie ein Rückschlag an.
Das ist der Aspekt des Recruitings, über den selten gesprochen wird.
Ein Beruf unter Druck – noch bevor der Anruf kommt
Um zu verstehen, warum frühe Fluktuation Recruiter:innen anders trifft, ist es wichtig, die Bedingungen zu berücksichtigen, mit denen sie bereits konfrontiert sind.
54 % der Recruiter:innen berichten, dass ihr Job in den letzten Jahren stressiger geworden ist. Die Burnout-Rate unter Recruiter:innen lag 2024 bei 81 %. Sie managen gleichzeitig Time-to-Fill-Ziele, die Erwartungen der Führungskräfte, die Erfahrung der Kandidat:innen und den ständigen Druck, schnell zu handeln, ohne kostspielige Fehler zu machen.
Laut dem Recruiter Nation Report nennen 44 % der Talent-Acquisition-Fachkräfte den Wettbewerbsdruck als Hauptstressquelle. Und das ist, bevor eine Einstellung frühzeitig scheitert.
Wenn eine Mitarbeiter:in innerhalb des ersten Jahres kündigt, verschwindet der Druck nicht – er verstärkt sich. Es kommt zu Selbstzweifeln: Habe ich etwas übersehen? Es entsteht Defensivität: Der Prozess war gründlich. Und manchmal, ganz still, vollzieht sich eine Verschiebung: hin zu sichereren Entscheidungen, hin zu Kandidat:innen, die auf dem Papier gut aussehen, anstatt zu denen, die wirklich passen. Diese Verschiebung verschlimmert das Problem langfristig.
Was die Daten wirklich zeigen
Zwischen 38 % und 52 % aller Mitarbeiterfluktuation ereignet sich innerhalb der ersten zwölf Monate. 20 % davon innerhalb der ersten 45 Tage. Die frühe Abgangsrate erreicht ihren Höhepunkt nach 12 Monaten – genau dann, wenn in Onboarding und Einarbeitung investiert wurde, aber noch keine volle Produktivität erreicht ist.
Die am häufigsten genannten Gründe sind: nicht erfüllte Erwartungen (43–48 % der früh ausscheidenden Mitarbeiter:innen sagen, die Stelle entsprach nicht dem, was ihnen kommuniziert wurde), mangelhaftes Onboarding, fehlende Entwicklungsmöglichkeiten und kulturelle Fehlanpassung.
Was in dieser Liste weitgehend fehlt, sind fehlende Fachkompetenzen. Die betreffende Mitarbeiter:in konnte den Job in der Regel ausführen. Das Problem lag in allem, was den Job umgab – wie er präsentiert wurde, wie das Umfeld tatsächlich war, ob die Persönlichkeit wirklich zu den Anforderungen der Rolle und der Teamdynamik passte.
Das ist ein Fit-Problem. Und Fit ist schwerer zu beurteilen als Qualifikationen.
Die Verantwortungslücke, über die niemand spricht
Das ist besonders herausfordernd für Recruiter:innen: Die Qualität der Einstellungen wird zunehmend als formaler KPI verfolgt – doch die Werkzeuge zur Messung von Fit vor der Einstellung werden selten bereitgestellt.
Unternehmen nutzen heute die Fluktuation im ersten Jahr als direktes Maß für die Recruiting-Effektivität. Recruiter:innen werden daran gemessen, ob ihre Einstellungen bleiben und Leistung erbringen – und dennoch müssen die meisten Persönlichkeit, Kulturpassung und Verhaltensrisiken nach wie vor anhand von Intuition, Körpersprache und einem Bauchgefühl beurteilen, das sich in fünfundvierzig Minuten bildet.
Es fehlt Recruiter:innen nicht an Verständnis; es fehlen vielmehr die Werkzeugen, die den Fragen gerecht werden, die sie beantworten sollen.
Einstellungen, die nicht zur Rolle passen, führen zu höherer Fluktuation, Schäden am Employer Brand und einem sich selbst verstärkenden Kreislauf aus Suche und Neubesetzung. Recruiter:innen tragen einen unverhältnismäßig großen Teil dieser Reputationslast – intern gegenüber den Führungskräften und extern gegenüber Kandidat:innen, die auf eine Organisation treffen, die ihre Mitarbeiter:innen nicht halten kann.
Unbewusste Vorurteile: Die versteckte Variable
Ohne strukturierte Verhaltensdaten neigen Recruiter:innen – wie alle Menschen – dazu, Kandidat:innen zu bevorzugen, die vertraut wirken: solche, die ihren Kommunikationsstil, ihre Energie oder ihren Hintergrund widerspiegeln. Man nennt es Chemie. Manchmal stimmt das; oft ist es ein blinder Fleck.
Die Forschung bestätigt dies immer wieder. Unstrukturierte Interviews gehören zu den schwächsten Prädiktoren für berufliche Leistung – und dennoch sind sie die dominante Einstellungsmethode. Das Ergebnis ist nicht nur ein höheres Risiko einer Fehlbesetzung, sondern ein systematisch verzerrter Talentpool, in dem Entscheidungen stärker durch Ähnlichkeit als durch Eignung beeinflusst werden.
Für Recruiter:innen, denen sowohl Qualität als auch Chancengleichheit wichtig sind, ist das eine echte Frustration. Sie wissen, dass etwas fehlt – sie haben nur nicht immer die Mittel, diese Lücke zu schließen.
Ein besserer Ausgangspunkt
Wie würde es aussehen, in jedes Interview mit tatsächlichen Persönlichkeitsdaten zu gehen?
Nicht als Ersatz für das Gespräch, sondern als Grundlage dafür. Ein objektives Profil, das zeigt, wie eine Kandidat:in tendenziell mit Druck und Unsicherheit umgeht, wie sie kommuniziert und zusammenarbeitet, wo ihre Risikotendenzen liegen und wie ihr Arbeitsstil mit den Anforderungen der Rolle übereinstimmt.
Genau das ermöglicht die KI-basierte Persönlichkeitsanalyse. Bei Zortify haben wir genau dieses Werkzeug entwickelt – konzipiert für den Einsatz nach dem ersten Interview, um Recruiter:innen und Führungskräften eine konsistente Verhaltensebene für jede Rolle zu bieten. Ein Framework. Eine gemeinsame Sprache. Erkenntnisse, die klar genug sind, um im Interview genutzt zu werden.
Das Ergebnis sind nicht nur weniger frühe Abgänge. Es ist ein anderes Gespräch während des Prozesses – eines, das Passform erkennt, bevor sie zum Problem wird. Für Recruiter:innen bietet es gleichermaßen eine nachvollziehbare, datengestützte Grundlage für jede Empfehlung, die sie aussprechen.
Die Einstellung, die bleibt
Das beste Ergebnis im Recruiting ist nicht einfach das Besetzen einer Stelle. Es ist die Einstellung einer Mitarbeiter:in, die nach sechs Monaten wächst – jemanden, über den oder die das Team froh ist, und der:die sich nicht vorstellen kann, woanders zu sein.
Dieses Ergebnis ist häufiger möglich, als die aktuellen Fluktuationsraten vermuten lassen. Es erfordert jedoch, über den Lebenslauf und den ersten Eindruck hinauszugehen. Es bedeutet, Persönlichkeit zu einem echten, strukturierten Teil der Entscheidungsfindung zu machen.
Für Recruiter:innen ist das keine bloße Prozessverbesserung. Es ist Schutz – für die Kandidat:innen, für das Team und für die professionelle Glaubwürdigkeit, die jede:r engagierte Recruiter:in über Jahre aufbaut.
Die Einstellung, die nicht blieb, ist eine harte Lektion. Sie muss sich nicht wiederholen.
Prof. Dr. Florian Feltes
Prof. Dr. Florian Feltes ist Mitgründer und Co-CEO von zortify und Vorreiter der KI-gestützten HR-Innovation. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt er intelligente Persönlichkeitsdiagnostik und hilft Unternehmen so, die perfekten Kandidat:innen zu identifizieren – ohne teure Assessments, ohne Bias. Seine Vision: Eine Welt, in der jedes Unternehmen mühelos High-Performance-Teams formt und Arbeitsumgebungen schafft, die menschliches Potenzial vollständig entfalten.
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Bias out. ROI rein. Wie KI-Regulierung zum Erfolgstreiber wurde
Wie KI im Recruiting vom Tool zum Zukunftstreiber wurde
Februar 2025. Während einige Unternehmen hektisch ihre KI-gestützten Recruiting-Prozesse überprüfen, um die EU AI Act-Anforderungen in letzter Minute zu erfüllen, herrscht anderswo Gelassenheit. Dort hat man die Monate zuvor genutzt, ….
Wenn jemand zu früh geht
– Die Perspektive der Hiring Manager:innen
Sie erinnern sich an den Moment, in dem Sie Ja gesagt haben.
Die Kandidatin war überzeugend. Das Interview lief gut. Das Team war begeistert. Sie hatten ein gutes Gefühl – vielleicht sogar echte Vorfreude. Und dann, sechs Monate später, die Kündigung. Das fühlt sich nicht wie ein geschäftliches Problem an. Das fühlt sich persönlich an.
Frühfluktuation gehört zu den stillsten und zugleich schmerzhaftesten Erfahrungen im Management. Sie ist weiter verbreitet, als die meisten Organisationen es wahrhaben wollen.
Die Zahlen hinter dem Gefühl
Studien zeigen: Zwischen 38 % und 52 % aller Mitarbeiterfluktuation passiert in den ersten zwölf Monaten. 31 % der Neueinstellungen verlassen das Unternehmen, bevor sie überhaupt die Sechs-Monats-Marke erreichen. Und die vielleicht ernüchterndste Zahl: 70 % der Mitarbeitenden entscheiden innerhalb der ersten dreißig Tage, ob der Job wirklich zu ihnen passt.
Das ist keine Einarbeitungsphase. Das ist ein Urteil.
Für Hiring Manager:innen reichen die Kosten weit über das Budget hinaus – auch wenn die Zahlen allein schon erschrecken. Eine Nachbesetzung kostet zwischen 33 % und 400 % des Jahresgehalts. Fachkräfte auf mittlerer Ebene brauchen sechs bis zwölf Monate, um volle Produktivität zu erreichen. Jeder frühe Abgang setzt die Uhr auf null.
Der eigentliche Schaden aber entsteht dort, wo man ihn nicht sieht.
Was es mit einem Team macht
Wenn jemand früh geht, spürt das Team es – auch wenn niemand etwas sagt.
Da ist die praktische Unterbrechung: umverteilte Arbeit, ein neues Onboarding, verlorenes Wissen. Doch darunter liegt etwas Tieferes – eine stille Erosion des Vertrauens, ein Kippen in Richtung Zynismus. „Hatten wir schon. Warum sollte es diesmal anders sein?“ Hohe Fluktuation erzeugt einen Dominoeffekt. Die verbleibenden Teammitglieder werden gestresster, überlasteter – und, wie Studien belegen, selbst zunehmend wechselbereit. Das Team, das sich gerade erst über Verstärkung gefreut hat, rechnet nun still, wie lange es selbst noch bleiben will.
Und die Hiring Manager:innen sitzen mittendrin.
Die Geschichte, die niemand erzählt
Es gibt eine Version dieser Geschichte, die in keinem Exit-Interview vorkommt:
Hiring Manager:innen investieren Wochen in den Prozess. Sie sichten Lebensläufe, führen Gespräche, werben für die Rolle, verhandeln das Angebot. Sie stecken echte Energie in einen Menschen. Und wenn dieser Mensch geht, verlieren sie nicht nur ein Teammitglied – sie verlieren Vertrauen in das eigene Urteil. Sie beginnen, ihre Instinkte zu hinterfragen. Sie fragen sich: Was habe ich übersehen?
Oft war das, was sie übersehen haben, im Gespräch schlicht nicht sichtbar.
Fachkompetenz lässt sich prüfen. Erfahrung lässt sich verifizieren. Aber Persönlichkeit – wie jemand unter Druck agiert, Konflikte löst, mit Feedback umgeht oder reagiert, wenn Erwartungen und Realität auseinanderdriften – das lässt sich in einem sechzigminütigen Gespräch kaum erfassen.
Zwischen 43 % und 48 % der Mitarbeitenden, die früh kündigen, nennen eine Diskrepanz zwischen Rollenbeschreibung und Realität. Das muss keine Absicht sein. Oft ist es ein ehrlicher Mismatch – in Erwartungen, Werten oder Arbeitsstil –, den keine Seite im Bewerbungsprozess benennen konnte.
Von Instinkt zu Erkenntnis
Die Frage ist nicht, ob Hiring Manager:innen sich für Cultural Fit interessieren – natürlich tun sie das. Die eigentliche Frage lautet: Haben sie die richtigen Werkzeuge, um ihn zu bewerten?
Das Bauchgefühl ist nicht der Feind. Aber ein Bauchgefühl, geformt von unbewussten Biases, Zeitdruck und sechzig Minuten Gespräch, ist ein fragiles Fundament für eine Entscheidung, die ein ganzes Team über Jahre prägen wird.
Genau hier machen strukturierte Persönlichkeitsdiagnostiken den Unterschied. Nicht als Ersatz für menschliches Urteilsvermögen – sondern als Ergänzung. Eine objektive Ebene, die sichtbar macht, was sonst unsichtbar bleibt.
Wer das Persönlichkeitsprofil einer Kandidatin versteht – ihren Arbeitsstil, ihren Umgang mit Risiko und Konflikt, ihre natürlichen Stärken und blinden Flecken –, gibt Hiring Manager:innen etwas, das sie bisher selten hatten: eine gemeinsame Sprache für Passung, verankert in Daten.
Genau daran arbeiten wir bei Zortify seit 2018: KI-basierte Persönlichkeitsdiagnostik, die Hiring-Teams konsistente, interpretierbare Erkenntnisse liefert – für jede Rolle, jede Abteilung. Kein komplexer Report, der in der Schublade verschwindet. Sondern eine klare, handlungsorientierte Grundlage für bessere Entscheidungen.
Das Gespräch, das alles verändert
Stellen Sie sich vor, Sie gehen in ein Debriefing – und fragen nicht nur: „Hat sie uns überzeugt?“, sondern: „Passt ihr Persönlichkeitsprofil zu dem, was diese Rolle wirklich verlangt – und was dieses Team wirklich braucht?“
Dieses eine Gespräch verändert, wen Sie einstellen. Und es verändert, was daraus entsteht: Teams mit echter Komplementarität, Resilienz – und einer realen Chance, gemeinsam zu wachsen.
Frühfluktuation ist schmerzhaft – aber sie ist nicht unvermeidlich.
Der erste Schritt ist eine einfache Erkenntnis: Fit ist kein Gefühl. Es ist eine Disziplin – und eine, für die jede Hiring Managerin die richtigen Werkzeuge verdient.
Prof. Dr. Florian Feltes
Prof. Dr. Florian Feltes ist Mitgründer und Co-CEO von zortify und Vorreiter der KI-gestützten HR-Innovation. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt er intelligente Persönlichkeitsdiagnostik und hilft Unternehmen so, die perfekten Kandidat:innen zu identifizieren – ohne teure Assessments, ohne Bias. Seine Vision: Eine Welt, in der jedes Unternehmen mühelos High-Performance-Teams formt und Arbeitsumgebungen schafft, die menschliches Potenzial vollständig entfalten.
Budget-Killer Fehlbesetzungen
Rund 14 % aller Neueinstellungen scheitern. Bei 50 Einstellungen pro Jahr können daraus schnell über 300.000 Euro direkte Kosten entstehen. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Der eigentliche Schaden zeigt sich später: sinkende Teamleistung, verlorene Innovationskraft und ein Dominoeffekt, der Leistungsträger:innen zur Konkurrenz treibt.
2025 Check-Out mit Marcus & Florian, CEOs von Zortify
Was denkt ihr: Wo steht die HR-Branche heute wirklich beim Thema KI – jenseits des Hypes?
Florian: Viele Unternehmen befinden sich aktuell vor allem in Restrukturierungsprozessen. KI wird hier vor allem eingesetzt, um Effizienz zu steigern und Performance-Management-Prozesse zu optimieren.
Bias out. ROI rein. Wie KI-Regulierung zum Erfolgstreiber wurde
Wie KI im Recruiting vom Tool zum Zukunftstreiber wurde
Februar 2025. Während einige Unternehmen hektisch ihre KI-gestützten Recruiting-Prozesse überprüfen, um die EU AI Act-Anforderungen in letzter Minute zu erfüllen, herrscht anderswo Gelassenheit. Dort hat man die Monate zuvor genutzt, ….